Die Geschichte vom HGV Nordstrand e.V. PDF Drucken E-Mail

Reproduktionen von dem original Gründungsprotokoll des HGV

Der HGV hat maßgeblich an der wirtschaftlichen Entwicklung von Nordstrand mitgewirkt.
Er hat frühzeitig die Möglichkeiten des Fremdenverkehrs erkannt und in Eigenregie eine Zimmervermittlung aufgebaut. Bei bis zu 130.000 Übernachtungen lag die Verantwortung beim HGV. Er hat den Lebensstandard der Bevölkerung merklich verbessert. Arbeitsplätze wurden geschaffen, Häuser gebaut; die Wirtschaft florierte.

Nordstrand war bis zum Dammbau 1933/36 eine Insel und weitgehend Selbstversorger. Gehörte danach zum Einflussgebiet der Husumer Geschäftswelt und die Kaufkraft floss in zunehmendem Maße dorthin. Dies war der Anlass für Willi Petersen 1955 alle Gewerbetreibenden von Nordstrand zu einer Aussprache über Wirtschaftsfragen einzuladen. Gemeinsame Werbeveranstaltungen standen als Thema im Mittelpunkt. Nach der erfolgreichen Durchführung eines Weihnachtsbasars machte Willi Petersen den Vorschlag, einen handel- und Gewerbeverein zu gründen. Die Idee wurde einstimmig angenommen.

Am 26. Januar 1956 fand in der Gastwirtschaft Jens Jacobs, im Pohnshalligkoog die Gründungsversammlung statt. Die ausgearbeitete und vorgelegte Satzung wurde genehmigt und der Jahresbeitrag auf 12,- DM festgesetzt. Für die unterschiedlichen Fachgruppen innerhalb der Gewerbetreibenden wurden Spartenleiter gewählt. Ihre Aufgabe bestand darin Probleme innerhalb ihrer Fachgruppe zu lösen.

Der Fremdenverkehr hatte bis dahin für Nordstrand keine Bedeutung. Willi Petersen regte in der Versammlung an, den Fremdenverkehr zu entwickeln und durch diese zusätzliche Einnahmequelle Nordstrand wirtschaftlich weiter zu bringen. Es folgte die Wahl eines zusätzlichen Werbeausschusses.

In der Vorstandssitzung vom 20.02.1956 beschließt der HGV die Eintragung durch einen Notar in das Vereinsregister in Husum. Außerdem besprachen gemeinsam die Mitglieder des Gemeinderates und des Deich- und Hauptverbandes Probleme der einzelnen Fachschaften.

Der HGV organisierte eine Zimmervermittlung. Diese Tätigkeit übte für einen bescheidenen Jahrespauschalbetrag Frau Inge Petersen (heute Frau Thiessen) im Elisabeth-Sophien Koog aus. Der erste Prospekt in schwarz/weiß erscheint. Die dazugehörigen Bilder erhielt der HGV über einen durchgeführten Fotowettbewerb.

Vom Gastwirt Edmar Dau (damals Halligblick) kam die Idee zur Gründung eines Gesprächskreises ,,Runder Tisch", um anstehende Probleme zu besprechen. Daraus entwickelten sich Arbeitssitzungen und später monatliche Mitgliederversammlungen mit geladenen Gästen und Vertreter der Gemeinde, des Deich- und Sielverbandes, des Bauernverbandes und Berater in Steuer- und Wirtschaftsfragen.
Gespräche mit der Bundespost über das Aufstellen von Telefonzellen, Schalteröffnungszeiten und Fahrplanänderungen mit Anpassung an den Berufsverkehr verliefen erfolgreich.
Die Schleswag errichtete eine zweite Hochspannungsleitung vom Festland durch das Wattenmeer, um die Stromversorgung auf Nordstrand zu verbessern.
Der Gemeinde wurde die Notwendigkeit einer Straßenbeleuchtung für die einzelnen Ortsteile Nordstrands deutlich gemacht. All diese Maßnahmen betrieb der HGV im Interesse der gesamten Insel.

Die Bemühungen, den Fremdenverkehr aufzubauen, zeigten erste Erfolge. In den folgenden Jahren steigerte sich die Anzahl der Übernachtungen.
1966 übernahm Frau Ingrid Holsteiner die Aufgabe der Zimmervermittlung. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es, die einzelnen Vermieter zusammen zu schließen. Die Herausgabe eines Zimmernachweises, ein neuer Farbprospekt und eine Wanderkarte verhalfen dem Fremdenverkehr Nordstrand zu einer gut organisierten Präsentation.

Der Verein wuchs mit seinen Aufgaben, aber die anfallenden Kosten überstiegen bald die Finanzkraft des HGV. Ein Zuschuss von der Gemeindeverwaltung schaffte Abhilfe. Das förderte die Zusammenarbeit. Die Gemeinde übernahm die Kosten und Raummiete für die Frau Holsteiner (sie arbeitete in ihren Privaträumen), überließ aber weiterhin dem HGV die gesamte Entwicklung des Fremdenverkehrs.
Die Bedeutung des HGV war beeinflusst von den politischen Veränderungen auf Nordstrand. Die Zusammenarbeit mit der SPD geführten Gemeindeverwaltung und dem Bürgermeister Peter Empen verlief noch gut. Dem Nachfolger, Willi Hansen, bereitete die "Vormachtstellung" des HGV Unbehagen. Nach mehreren gemeinsamen Verhandlungs-Gesprächen ergab sich folgende Änderung: Frau Holsteiner arbeitete als Angestellte der Gemeindeverwaltung und blieb gleichzeitig dem HGV als Sekretärin erhalten. Das Weisungsrecht blieb beim HGV, der seine bisherigen Aufgaben fortsetzt. Unabhängig davon haben die Zimmervermieter den Vorteil der zusätzlichen Einnahmequelle erkannt. Es erfolgte eine qualitative Verbesserung der Einrichtungen, Ferienwohnungen entstanden. Der Lebensstandard steigt. Alle Gewerbetreibenden der Insel profitieren von dieser wirtschaftlichen Entwicklung. Der HGV sieht sich in seiner Aufgabe bestätigt.

1982 wird die Fremdenverkehrsabgabe eingeführt, der HGV stellt seine finanzielle Leistung an den Zimmernachweis ein.

Rückblickend muss festgestellt werden, dass der HGV damals treibende Kraft war und viel Vorarbeit geleistet hat, um Nordstrand zu einem Seeheilbad (14. Dezember 1990) auszubauen.